[Anmerkung 1]














[Anmerkung 2]


Klaus Feld, Börsenverein:

„In den letzten zehn Jahren, in denen das Internet Eingang gefunden hat, nimmt der Anteil des Versandhandels, einschließlich des Versandhandels über das Internet, deutlich zu [...]. Bücher sind ein klassisches Produkt für den Versandhandel, weil er einfach leicht zu handhaben ist.“













Klaus Feld, Börsenverein:

„Ein Gewinner ist gewissermaßen der Internet-Versandhandel. Das haben wir jetzt im Januar und Februar 2010 gesehen und noch einmal im Dezember 2010, im Weihnachtsgeschäft. Als die Witterung viele Kunden veranlasst hatte zu Hause zu bleiben, haben viele Kunden die Möglichkeit genutzt, Bücher auf diesem Weg zu bestellen, sodass die Paketboten im Weihnachtsgeschäft teilweise sonntags unterwegs waren, um die Lieferungen an die Kunden zu bringen.“


Bundesverband des Deutschen Versandhandels, vergleiche Pressemitteilung vom 22.02.2011:

Der Versandhandel verzeichnet eine Umsatzsteigerung auf 30,3 Milliarden Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 4,1 Prozent. Von diesen 30,3 Milliarden Euro werden etwa 18 Milliarden (60,4 Prozent) aus dem Online-Geschäft generiert.



[Anmerkung 3]








Das Versandgeschäft macht die guten Zahlen                                          28.03.2011


Es ist ein trüber Vormittag im März. In der Wiesbadener Innenstadt schlendern ein paar Leute die Schaufenster entlang, andere laufen gezielt und mit schnellen Schritten von einer Erledigung zur nächsten. In einer der kleinen Seitengassen, der Mauergasse, zieht eine Gruppe junger Mädchen kichernd an einem Café mit einer jungen männlichen Bedienung vorbei. Direkt nebenan hängt ein blaues Männchen mit einem aufgeschlagenen Buch in der Hand an der Fassade. Buchhandlung Angermann steht darunter. An den Schaufenstern klebt ein Schriftzug: Globus Landkartenhaus.


„Diese Buchhandlung gibt es seit 76 Jahren.“ Der Geschäftsführer Walter Lüderssen rollt eine große Weltkarte zusammen. „Das ist ein typischer Dritte-Generationen-Verkauf gewesen. Erste Generation gründet sie, zweite fährt sie super hoch und die dritte Generation scheitert.“ Er steckt die Karte in eine durchsichtige Rolle und schiebt sie in ein längliches Fach in eines der Regale. „Dann wurde ein Nachfolger gesucht vom seinerzeitigen Ehepaar Angermann – daher auch die zwei Namen, Landkartenhaus und Angermann – und ich wollte aus meiner alten Firma raus.“ Die alte Firma war „Landkarten Schwarz“ in Frankfurt. „Ich bin ein echter Frankfurter und mich hat es nur für die Buchhandlung nach Wiesbaden verschlagen.“ Er lacht kurz auf. „Das war Mitte der 90er Jahre, die Hochzeit bei Reiseführern.“


„Entschuldigung?“ Ein älterer Herr macht auf sich aufmerksam. „Ich suche eine Karte von Wiesbaden.“ Herr Lüderssen wendet sich ihm zu und lächelt freundlich. „Bitte folgen Sie mir.“ Die Buchhandlung führt aber nicht nur Karten, sondern pflegt auch eine Kinderecke und bietet alles an, was außerdem noch mit Reisen zu tun hat: Postkarten, Globen, Reise- und Sprachführer, Geschichten von Reisenden und vieles mehr. „Ich danke Ihnen. Auf Wiedersehen.“ Der Kunde verlässt wenig später mit einer Tüte in der Hand das Geschäft. „Bei Landkarten Schwarz habe ich zwölf Jahre gearbeitet“, erklärt Herr Lüderssen. „Da war ich noch Geographie-Student.“ Er lächelt. „Lange her.“ „Entschuldigung?“ Diesmal ist es eine junge Frau.


Der Laden hat etwa 100 Quadratmeter, das ist im Gegensatz zu den Filialen der großen Ketten nur ein Bruchteil. „Als hier Habel aufgemacht hat, habe ich nur einen ganz geringen Umsatzrückgang gehabt.“ Herr Lüderssen konnte der Frau nicht helfen. Sie wollte Laminierfolie. „Die vom Habel, inzwischen Hugendubel, schicken sogar Leute zu uns, weil sie nicht weiter wissen. Da ist die Spezialisierung einfach gut.“ Er schaut stolz um sich. „Es gibt noch einige Buchhandlungen mehr hier in Wiesbaden. Das ist aber keine Konkurrenz. Mit fünf von ihnen habe ich sogar ein Netzwerk gegründet – heißt „Sechs Richtige“.“ Er nimmt ein Kärtchen vom Tresen. Darauf ist eine kleine Karte abgebildet, auf der alle Teilnehmer eingezeichnet sind. „Wir schicken uns die Kunden zu. Dafür ist auch diese Karte. Da können wir ankreuzen, wo der Kunde hin muss.“ Die Kooperation geht sogar noch weiter: „Wir machen zusammen Veranstaltungen: Zwei Mal im Jahr Wanderungen mit einem bestimmten Thema – die nächste geht in den Rheingau – ein Mal im Jahr ein Theaterstück für Kinder, das wir selbst aufführen, und im Rahmen des alljährlichen Krimi-Festival stellt jeder ein Buch vor.“


„Trotzdem: Ich habe jetzt eine Kooperation mit einem Versender aufgenommen: fernwege.de.“ Der Kunde sucht sich seine Karte aus, fernwege.de sagt Herrn Lüderssen Bescheid und er verschickt dann die gewünscht Karte. Er ist sozusagen das Lager. „Bundesweiter Markt und das Versandgeschäft bei mir, aber auch sonst, läuft super. Dadurch geht es auch der Buchbranche gut.“ [Anmerkung 1] Er zuckt mit den Schultern. „Das zeigt mir, wie der Markt heutzutage aufgestellt ist.“ Gedankenverloren lehnt er sich an ein Regal. „Die Leute gehen nicht mehr in den Laden und dieser Wandel ist nicht zu unterschätzen.“ [Anmerkung 2] [Vergleiche Artikel: Christlich]Er lächelt. „Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde das klasse und der Laden läuft trotzdem. Ich könnte mir sogar vorstellen, nur mit dem Internet zu arbeiten, wäre ich allein und unabhängig, aber ich habe Angestellte.“ Er zuckt mit den Schultern. „Andererseits liebe ich dann wieder meinen Laden. Der direkte Kontakt mit dem Kunden ist einfach toll. Das ganze Ambiente des im-Kopf-Mitreisens macht einfach Laune.“ Er lacht und schüttelt gleichzeitig den Kopf. Ein Lieferant mit einem Paket in der Hand betritt das Geschäft. Walter Lüderssen nimmt es entgegen und stellt es auf einen der Tische, auf denen die Landkarten ausgebreitet werden können.


Im Kopf hat er den Gedanken anscheinend weitergesponnen: „Es gibt die Annahmen, der Buchhandel ist in der Krise wegen Amazon und der ganzen Ketten, aber das ist für mich nicht das Thema.“ Er schüttelt vehement den Kopf. „Der stationäre Einzelhandel ist im Wandel wegen des Lebens mit dem Bildschirm. Wir bekommen die Leute einfach nicht mehr auf die Gasse und das betrifft einen Großteil des Einzelhandels.“ [Anmerkung 3] Er deutet nach draußen. „Die Stadt ist leer und die Zusammenarbeit mit fernwege.de ist einfach super. Man darf einfach nicht vernachlässigen, was so abgeht.“ Bei dem letzten Satz tippt er mahnend auf die Tischplatte. „Beim Buchhandel könnte ich mir gut vorstellen, dass viele Umsatzrückgänge individuell begründbar sind.“ Dieser Gedanke scheint ihm gerade gekommen zu sein. „Das hängt wahrscheinlich von den individuellen Fähigkeiten ab.“ Er nickt. „Deswegen sind Spezialisierungen einfach gut.“ Wieder nickt er. „Herr Lüderssen?“ Eine Dame mittleren Alters steht plötzlich neben dem Tresen. „Ach, hallo.“ Herr Lüderssen wendet sich ihr zu.


„Was kann ich für Sie tun?“ „Ich fahre diesen Sommer nach Frankreich.“ Die Dame lächelt. „Wo genau soll es denn hingehen?“ Walter Lüderssen strebt auf ein Regal zu. „Provence.“ Zielsicher greift er hinein und reicht ihr zwei unterschiedliche Karten. Die beiden vertiefen sich in ein Gespräch über Lavendel und Saint-Tropez. Nach einer Weile verlässt die Dame mit einer Karte, einem Reiseführer über Südostfrankreich und einem kleinen französischen Sprachführer das Geschäft. „Ich kann mich nur wiederholen. Der Kontakt mit den Kunden ist einfach toll.“ Walter Lüderssen lächelt. „Keiner weiß, was die Zukunft bringt und das ist auch gut so.“