[Anmerkung 1]


Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, Seite 79:

„Einen enormen Schub gab es 2009 [...] bei den Übersetzungen im Bereich Kinder- und Jugendbuch. Der Anteil fremdsprachiger Vorlagen kletterte [...] durch den Erfolg der sogenannten All-Age-Titel [...] von 14,4 auf 24,6 Prozent.“


Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, vergleiche

Seite 12:

Die All-Age-Titel sind so beliebt, dass im Jahr 2009 acht von 25 Bestsellern diesem Genre zuzuordnen sind.




[Anmerkung 2]


Ausschnitt aus Tab. 4: Umsatzanteile* der Warengruppen nach Editionsformen 2007-2009 (in Prozent)
















* nur Sortimentsbuchhandel und Warenhäuser (jeweils Barumsatz)



[Anmerkung 3]


Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, Seite 10:

„Rückläufig sind die Umsätze beim Hörbuch, das jetzt nur noch einen Anteil von 4,3 Prozent hat (Vorjahre: 4,8 Prozent). Dieser Abwärtstrend dürfte mit den sinkenden Preisen im Audiobook-Segment [Anmerkung: anderer Name für Hörbuch-Segment] zusammenhängen.“


Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, Seite 15:

„Mit 47,3 Prozent hat die Belletristik [...] den mit Abstand größten Anteil am Hörbuch-Markt (Vorjahr: 39,9 Prozent). Platz zwei gehört dem Kinder- und Jugendbuch, das immerhin 33,3 Prozent aller Audiobook-Umsätze stellt.“



[Anmerkung 4]


boersenblatt.net, Artikel vom 09.03.2011:

„Müssen Unternehmen in Facebook rein? Die Antwort ist ein klares „Ja“. Genau wie die Homepage gehört die eigene Facebook-Seite zum guten Ton. Wer keine hat, muss bald einen gewissen Imageverlust hinnehmen. Noch stehen wir am Anfang und längst nicht alle Unternehmen sind drin. Trotzdem gibt es einen guten Grund, relativ bald zu starten: Wer früher dabei ist, hat mehr Fans. Jeden Tag suchen potenzielle Kunden nach Ihrem Unternehmen. Wenn sie es finden, drücken sie „Gefällt mir“ und Sie haben einen Fan mehr. Wenn nicht, ist die Chance auf eine nochmalige Suche gering.“



[Anmerkung 5]




















1    Kinderbuchhandlung Nimmerland in Mainz Gonsenheim

2    Kinderbuchhandlung Eselsohr in Frankfurt/Main

3    Kinderbuchhandlung Tatzelwurm in Frankfurt/Main

Springfrösche und Glitzerpuppen                                18.04.2011


Als ich die Kinderbuchhandlung Nimmerland in Mainz Gonsenheim betrete, scheint die Sonne und die rauschenden Verkehrsgeräusche vermischen sich mit Vogelgezwitscher. Einige Mütter mit Kleinkindern an der Hand oder Kinderwagen vor sich herschiebend bevölkern den Laden. Es ist ein Dienstag Vormittag und der Laden ist voll. „Mama, schau mal.“ Ein kleines Mädchen tritt mir fast auf die Füße, als es auf ein Regal mit Puppen zuläuft. „Da ist Lillifee.“ Begeistert zeigt sie auf eine eingepackte rosa Stoffpuppe. „Lillifee glitzert so toll“, erzählt mir die vierjährige Stefanie, als ich sie frage, was sie an der Puppe so fasziniert.


Nach dieser Begegnung wage ich mich tiefer in das Kinderreich. Es gibt eine große Spielecke mit einer Eisenbahn aus Holz, einigen Puppen, Kuscheltieren und einem großen Puppenhaus. Doch gerade spielt hier niemand. Die Kinder, die schon gehen können, rennen durch den Laden und bleiben ab und zu bei einem Regal stehen. Zwei sitzen auf dem Boden und blättern sich durch die Raupe Nimmersatt. „Die Kinder dürfen alles anfassen und in Ruhe stöbern, aber ein bisschen zittere ich schon jedes Mal, ob das Buch hinterher noch verkauft werden kann.“ Susanne Lux, die Geschäftsführerin, ist unbemerkt neben mich getreten. Sie bietet mir einen Stuhl an, um ein bisschen zu reden, aber zuerst müsse sie noch ein paar Kunden bedienen.


„Meine Eltern waren schon Buchhändler. Bei denen habe ich 20 Jahre gearbeitet. Dann wurde 2005 hier der Laden frei. Das war meine Chance“, erzählt mir Frau Lux, als sie zu mir kommt. Mich interessiert vor allem, wie eine erwachsene Frau immer noch so begeistert von Kinderbüchern sein kann. „Kinderbücher haben mich schon immer interessiert. Als Kind habe ich immer gelesen – stapelweise Bücher. Für meinen Geburtstag oder zu Weihnachten habe ich seitenlange Listen angelegt. Dann war ich richtig enttäuscht, wenn ich nicht alles bekommen habe. Mit Anfang 20 habe ich Vorlesewettbewerbe an Schulen organisiert und dann habe ich meinen eigenen Kindern vorgelesen. So bin ich eigentlich immer mehr oder weniger bei Kinder- und Jugendbüchern geblieben.“ Gab es nicht zwischendrin eine Zeit, in der es mal genug war? Sie lacht und schüttelt den Kopf. „Natürlich habe ich auch andere Sachen gelesen, aber eben nicht so viel. Seit ein paar Jahren gibt es auch diese All-Age-Titel. Das sind eigentlich Jugendromane, die aber auch Erwachsene lesen können. Twilight ist wohl das bekannteste dieser Sorte – ein sehr erfolgreicher Bereich. [Anmerkung 1] Das festigt auch die Stellung des Kinder- und Jugendbuchs innerhalb der Branche.“ [Anmerkung 2]


Ein kleines Mädchen fängt an zu jammern: „Ich will den Springfrosch aber haben.“ Diesen Satz wiederholt sie in zunehmender Lautstärke, bis die Mutter genervt reagiert. „In Ordnung. Aber dafür gibt es ein kleineres Buch.“ Das Mädchen beginnt wieder zu jammern. Das bringt mich zur Frage, wie Frau Lux entscheidet, was sie im Laden führt. „Also erst einmal gibt es eine Alterseingrenzung. Kinder- und Jugendliteratur bedeutet für mich bis 17- oder 18-Jährige. Dann beachte ich die verschiedenen Altersstufen. Wir haben Bücher für ganz kleine, also zum darauf herum Kauen und in die Badewanne nehmen. Wir haben Bilderbücher, Bücher für Erstleser, Sachbücher, Vorlesebücher, ein paar Comics und dann normale Romane, die nach Alter und unter Umständen nach Genre sortiert sind. Als Nebensortiment haben wir besonders Hörbücher, aber auch Spiele, DVDs und Kleinigkeiten. Die Nachfrage nach Hörbüchern sinkt zwar, aber noch lohnt es sich. [Anmerkung 3] Ich würde sagen, dass ein Drittel das Nebensortiment, also die Non-Books ausmacht. [Vergleiche Artikel und Anmerkung 1: Christlich] Ich kaufe einfach, was mir und meinen Kunden gefällt.“


Während sie erzählt, blicke ich mich um und sehe über mir gerahmte Preise hängen. Schon an der Eingangstür sind mir Aufkleber mit dem Schriftzug „Anerkannter Lesepartner“ und „Kinderbuchhandlungspreis“ aufgefallen. Ich frage Susanne Lux, was es damit auf sich hat. „Seit 2008 wurden wir jedes Jahr zur kreativsten Kinderbuchhandlung von Rheinland-Pfalz gekürt und seit letztem Jahr sind wir anerkannter Lesepartner. Damit wird unser Engagement in der Leseförderung geehrt.“ Sie nickt stolz. „Den Kreativ-Preis verdanken wir hauptsächlich unseren Veranstaltungen. Wir machen drei bis vier im Monat, was ungewöhnlich viel für die Buchbranche ist. Denn so etwas lohnt sich wirtschaftlich kaum, sondern bringt nur was für den guten Ruf. Das Glück ist, mir macht es Spaß und das Feedback der Kinder ist einfach toll.“


Eine Frage darf vor allem bei dieser jungen Zielgruppe, die die Buchhandlung hat, nicht fehlen: Was ist mit Facebook? „Uns Buchhändlern wird Facebook gerade sehr ans Herz gelegt, auch wenn die zusätzliche Arbeit gar nicht jeder leisten will oder kann. [Anmerkung 4] [Vergleiche Anmerkung 3: Web 2.0] Ich mache das sehr gerne. Ich bin seit einem Jahr dabei und sehr aktiv. Ich muss aber aufpassen, was ich mache. Ich darf zum Beispiel nicht auf die Pinnwand von meinen jugendlichen Freunden schreiben, weil wir Kinderbuchhandlung heißen und das ist denen dann schon sehr peinlich, wenn ihre Freunde dann wiederum sehen, dass sie als Jugendliche Freund einer Kinderbuchhandlung sind. Ich kann dafür bei ihnen mitlesen und das ist teilweise wirklich interessant. Einmal habe ich gesehen, dass sich einer das Buch von „How I met your mother“ holen möchte. Daraufhin habe ich es bestellt und tatsächlich kam derjenige bald und fragte nach dem Buch. Ich hatte es da und er war platt. Das war sehr lustig.“


Inzwischen ist es etwas ruhiger im Laden geworden. Es geht auf die Mittagspause zu. Bevor ich aber den Laden verlasse, will ich noch über die Konkurrenz reden. „Es gibt im Rhein-Main-Gebiet nur drei reine Kinderbuchhandlungen. [Anmerkung 5] Da ist wenig Konkurrenz, aber es gibt hier in Gonsenheim noch eine Buchhandlung, die ein allgemeines Sortiment, also auch Kinderbücher, hat. Die haben kurz nach uns aufgemacht und hatten versprochen keine Kinderbücher mit rein zu nehmen, haben es aber doch gemacht. Jetzt fühlt er sich sich bedroht und setzt viel daran mit seiner Kinderbuchabteilung besser zu sein. So ein Konkurrenzdenken finde ich schade.“


Die letzte Kundin des Vormittags tritt an die Kasse. Sie hat scheinbar ein bisschen von unserem Gespräch mitbekommen, denn sie fragt, ob es der Buchhandlung gut gehe. Frau Lux lächelt: „Es läuft prima. Unserer Engagement wird wahrgenommen und belohnt.“ Die Kundin lächelt erleichtert und verlässt den Laden. Ich wende mich ebenfalls der Tür zu, dabei fällt mein Blick auf einen Spruch, der in weißer Schrift auf die rote Wand hinter der Kasse geschrieben ist. Frau Lux hat meinen Blick bemerkt und lächelt mich an. „Und ich will ganz viele Weltverbesserer.“

Die vierjährige Stefanie

Hier haben Erwachsene nichts zu suchen

Geschäftsführerin Susanne Lux

Ein Kinder-Kleinkram-Paradies

Preise über Preise

Die Facebook-Seite

Ein Blick über die Regale

Das Motto der Buchhandlung