[Anmerkung 1]


fachbuchjournal.de, Artikel vom 16.03.2011:

Der fortschreitende Strukturwandel sorgte 2010 für eine Veränderung der Wertschöpfungskette zu Lasten des stationären Sortiments [im Fachbuchbereich]. Blieb der Umsatz der zentralen Vertriebswege Sortimentsbuchhandel, Warenhäuser und E-Commerce mit plus 0,4 Prozent nahezu unverändert, so musste der Sortimentsbuchhandel mit minus 2,8 Prozent klare Einbußen hinnehmen.“




[Anmerkung 2]


Buch und Buchhandel in Zahlen 2010, Seite 16:

„Während E-Books und digitale Dienstleistungen für Fachverlage schon länger ganz normales Business sind, entdecken Publikumsverlage das Thema erst nach und nach, beflügelt durch Amazons Lesegerät Kindle und, seit Ende Mai 2010, durch den Verkaufsstart von Apples Multifunktionsgerät iPad.“












Die Elektronischen Medien haben im Vergleich zum Vorjahr um 21,9 Prozent zugelegt.




[Anmerkung 3]


boersenverein.de, Presse-Information vom 16.03.2011:

„Für 2011 gehen die deutschen Verlage im Durchschnitt von einem Umsatzanteil am Verlagsgeschäft mit E-Books von 6,6 Prozent aus, die Schätzung der Buchhandlungen liegt für den Sortimentsumsatz  bei 1,9 Prozent.“




[Anmerkung 4]


Boston Consulting Group E-Book Studie, vergleiche Pressemitteilung vom 12.05.2010:

27 Prozent der Deutschen planen innerhalb des nächsten Jahres einen E-Reader oder Tablet PC zu kaufen. Innerhalb der kommenden drei Jahre wollen 48 Prozent aller deutschen Umfrageteilnehmer ein solches Lesegerät erwerben. Wenn sich dies Prognose bestätigt, dann werden sich Kindle, iPad und andere schon bald neben mobilen Endgeräten wie BlackBerry und iPhone als Massenprodukt etablieren.

Recht-Wirtschaft-Steuern – Trockener Stoff? Von wegen!                  25.04.2011


Vorsicht, jetzt werden Klischees bedient: Wie stellt man sich einen Fachbuchhändler vor? Älterer Herr mit Brille, Kordhose und Pullunder oder die schicke Version mit hellbraunem Anzug und am Jackett sind dunkelbraune Ellbogenschoner angebracht? Alexander Witsch bedient nichts davon. Er ist einer von zwei Geschäftsführern der Fachbuchhandlung Hector in Frankfurt und weder alt noch Anzugträger. Alexander Witsch ist Anfang 40, braun gebrannt, hat die Haare kurz rasiert, ist tätowiert und trägt Jeans und T-Shirt. Den Klischee-Schock überwindet man aber schnell, denn Herr Witsch weiß, was er sagt und was er tut.


„Mein Vater hat den Laden zusammen mit Theo Hector gegründet daher der Name. Das ist schon über 40 Jahre her. Ich bin da einfach reingewachsen. Als Kind war ich ihr Laufbursche, später habe ich im Laden mitgeholfen.“ Langjährige Berufserfahrung macht ihn schon in seinem Alter zu einem alten Hasen des Fachbuchgeschäfts. „Ich weiß noch als uns hier die Studenten die Bude eingerannt haben. Früher war es nämlich so: Der Dozent sagt, welches Buch sich die Studenten für seine Lehrveranstaltung besorgen sollen und dann haben 200 bis 300 Studenten bei uns ein Exemplar davon gekauft und so war das dann in jedem Kurs.“ Er schaut nach draußen. „Jetzt wird viel mit Skripten und Readern gearbeitet und seit der Umstellung von Diplom auf Bachelor sind sowieso weniger Bücher gefragt. Bei den Wirtschaftswissenschaften wird jetzt nur noch Schmalspurökonomie gelehrt.“ Er verzieht das Gesicht als würde er auf eine Zitrone beißen. „Dabei ist das doch so interessant.“ Er lächelt. „Die Leute sagen immer Recht-Wirtschaft-Steuern? Das ist doch so trocken. Da sage ich immer: Von wegen!“


Der Platz der Bockenheimer Warte, im Frankfurter Westend, vermittelt durch viele Cafés und einen Wochenmarkt eine fast dörfliche Atmosphäre – wäre da nicht der Frankfurter Verkehrslärm. Junge Leute treffen sich hier und Familien machen ihre Einkäufe. In diesem Umfeld befindet sich die wissenschaftliche Buchhandlung Hector. Schwerpunkt ist Recht, Wirtschaft und Steuern. „Die drei Themenfelder werden oft miteinander kombiniert, weil sie sowieso ineinander übergehen“, erklärt Alexander Witsch. Wer meint, dass Fachbuch und Großstadtidyll nicht zusammenpassen, der irrt. Denn direkt neben der Bockenheimer Warte tummeln sich vor allem wegen der Uni-Bibliothek viele Studenten. Außerdem war der Gebäudekomplex der Buchhandlung gegenüber ehemals ein Teil der Frankfurter Goethe-Universität. „Das waren noch Zeiten. Da haben wir den Laden immer voll gehabt“, sagt Alexander Witsch. „Naja, man kann es nicht ändern.“ Er zuckt mit den Schultern.


„Seit ein paar Jahren zieht die Uni von gegenüber langsam auf den I.G.-Farben Campus um. Jetzt ist sie komplett leer.“ Herr Witsch deutet aus dem Schaufenster. Ein Bauzaun versperrt einen der Eingänge des riesigen Betonklotzes. „Wir verkaufen jetzt im Laden noch ein Drittel von dem, was wir früher verkauft haben. 2006 war das beste Jahr und dann ging es stetig bergab.“ Doch nicht nur die Buchhandlung Hector ist vom Umzug betroffen: „Wir hatten hier in der Straße eine naturwissenschaftliche, eine rechtswissenschaftliche und eine psychologische Fachbuchhandlung. Die sind alle weg. Nur uns gibt es noch und die Karl-Marx-Buchhandlung ein Stück die Straße runter.“


Doch trotz allem geht es der Fachbuchhandlung gut. Der Umsatz ist stabil geblieben. „Er hat sich verlagert“, erklärt Alexander Witsch. „40 Prozent sind Barverkauf und 60 Prozent Rechnung. Früher war das umgekehrt. Bei uns läuft immer mehr über institutionelle Kunden, also Bibliotheken, Kanzleien, Banken oder Schulen.“ [Anmerkung 1] Um diesem Bedarf entgegenzukommen, hat die Buchhandlung vor vier Jahren ihre Internetseite umgestaltet. „Die muss einfach professionell aussehen.“ Alexander Witsch verschränkt die Arme. „Wir sind zwar ein relativ kleiner Laden mit unseren 90 Quadratmetern Verkaufsfläche, aber von der Umsatzgröße sind wir nicht so klein wie wir aussehen.“ Er nickt nachdrücklich.


Bei der Frage nach weiteren Möglichkeiten der Website, erzählt Herr Witsch von seinem E-Book-Angebot: „Es heißt ja, dass besonders der Fachbuchbereich davon betroffen ist. [Anmerkung 2] Davon merken wir gar nichts. Wir bieten sie an, aber nur wenige nutzen es. Das, was bisher passiert, läuft am Handel vorbei und geht direkt an die Verlage.“ [Anmerkung 3] Alexander Witsch zuckt mit den Schultern. „Sollte aber die große Nachfrage kommen, sind wir bereit.“ [Anmerkung 4]