[Anmerkung 2]






















[Anmerkung 3]


börsenblatt.net, Artikel vom 03.03.2011:

Religion und Glaube liegen im Trend: Die Nachfrage nach religiösen Büchern ist 2010 deutlich um 7,3 Prozent gestiegen.“


Börsenblatt 9/2011, erschienen am 03.03.2011:

In der neunten Ausgabe 2011 des Börsenblatts gibt es ein 15-seitiges Extra Religion. Themen sind zum Beispiel die Fastenzeit, die unterschiedlichen Religionen in Deutschland, die Kirche in der Vertrauenskrise oder religiöse Inhalte als App – immer verbunden mit Buchtipps.


Wer Interesse an der Ausgabe hat, kann sie hier kostenlos anfordern.

Religion im Trend?                                                    02.05.2011


Sigrid Leuschner ist die Teamleiterin der Christlichen Buchhandlung in Bad Kreuznach. Der Begriff Geschäftsleitung gefalle ihr nicht, weil dieser Titel sie zu sehr von den anderen Angestellten abhebe. Bei ihr laufen seit dem Jahr 2000 alle Fäden zusammen. Doch die Geschichte der Buchhandlung beginnt viel früher: Die Buchhandlung existiert seit den 50er Jahren. „Sie ist aus einem Büchertisch unserer Liebenzeller Gemeinschaft entstanden“, erklärt Sigrid Leuschner. Da hat es ein Fest gegeben bei dem die Gemeinde einen Tisch mit christlichen Büchern aufgestellt hatte. „Das ist so gut angekommen, dass die Gemeinde entschlossen hatte, die Räume im Hinterhof in eine kleine Buchhandlung umzuwandeln“, erklärt sie weiter. Dort befindet sich die Buchhandlung noch heute.


Das Ehrenamt als Rettung


Dann kam das Jahr 2000. „Bis dahin war hier eine ausgebildete Buchhändlerin, die den Laden geführt hat“, erklärt Sigrid Leuschner. Doch in besagtem Jahr habe sie aus persönlichen Gründen aufgehört und gleichzeitig seien die Umsätze so schlecht gewesen, dass die Gemeinde beschlossen habe, die Buchhandlung zu schließen. „Zwischen Oktober und Dezember sollte der Abverkauf stattfinden, bei dem ich dann auch mitgemacht habe.“ Das war der Beginn für Frau Leuschners Mitarbeit in der Christlichen Buchhandlung. „Die Kunden waren sehr traurig und sprachen uns immer wieder darauf an, den Laden doch irgendwie weiter zu führen. Da kam uns die Idee mit dem Ehrenamt“, sagt Sigrid Leuschner. Es arbeiten zehn Angestellte in der Buchhandlung und die ersten drei Stunden pro Woche sind ehrenamtlich. „Alles, was darüber hinausgeht, wird auf 400-Euro-Basis bezahlt“, erklärt sie weiter. „Es gibt aber viele, die nicht mehr als diese drei Stunden pro Woche arbeiten.“ Insofern seien die Ausgaben nicht so hoch und der Laden könne ohne die Unterstützung von Spenden geführt werden. „Das ist ungewöhnlich für christliche Buchhandlungen.“ Frau Leuschner nickt.


Eine Frage des Geldes


„Wir sind alle nicht auf das Geld angewiesen, deswegen können wir ehrenamtlich arbeiten“, erklärt sie. „Entweder leben wir in einer intakten Ehe oder haben eine festen Job.“ Es gibt eine Lehrerin, die drei Stunden pro Woche im Laden arbeitet, genauso wie eine Rentnerin. Sie ist 75 Jahre alt und habe sehr viel Spaß an ihrer Arbeit. „Sollte sich eine Lebenssituation verändern, ist das auch kein Problem. Wir sind da sehr flexibel. Bei zehn Leuten muss man das wohl auch sein“, sagt Sigrid Leuschner lachend. Um den Überblick zu behalten, gibt es ein Mal im Monat eine Teambesprechung. „Wir arbeiten so unterschiedlich, dass sich manche von uns nur alle paar Monate mal begegnen würden“, erklärt sie. „So sieht sich jeder in regelmäßigen Abständen und Fragen können beantwortet und Erfahrungen ausgetauscht werden.“ Das Teamgefühl, auf das in der Christlichen Buchhandlung sehr viel Wert gelegt wird, solle dadurch gestärkt werden.


Jeder nach seinen Gaben


„Für uns ist es wichtig, dass wir gabenorientiert arbeiten“, sagt Frau Leuschner. Das heißt, dass jeder das macht, was er am Besten kann. „Ich kann zum Beispiel nicht mit Zahlen umgehen. Eine Kollegin macht das aber gerne und pflegt deswegen den Kontakt zum Steuerberater und hat die Umsätze im Blick.“ Dann gebe es zwei Angestellte, die gerne dekorieren, eine Technikorientierte und viele Verkäufer. „Dazu gehöre auch ich“, erklärt sie. „Wer im Verkauf tätig ist, soll auf besonderen Kundenservice achten.“ Das bedeutet, dass über das Fachgebiet hinaus recherchiert, mal ein Buch an alte Leute ausgeliefert oder auch auf Wunsch versendet werde.


Kunden und ihre Wünsche


„Im Großen und Ganzen kaufen hier hauptsächlich gläubige Christen“, sagt Sigrid Leuschner. Es würden vor allem Kunden kommen, die etwas mit den Kirchen der Stadt zu tun haben. „Aber wir haben auch mal Esoteriker, die bei uns Engel oder so etwas suchen“, sagt sie schulterzuckend. „Am Meisten werden Bibeln und Zubehör wie zum Beispiel Hüllen gekauft.“ Das mache etwa zehn bis 20 Prozent des Umsatzes aus, je nach Jahreszeit. „Momentan verkaufen wir da sehr viel, weil gerade Konfirmations- und Kommunionszeit ist. Sonst haben wir viel Non-Books: Kerzen, Kreuze, Karten und so weiter“, erklärt sie. Der Non-Book- oder auch Geschenke-Bereich mache in etwa die Hälfte des Ladens aus. [Anmerkung 1] [Vergleiche Text: Kinderbuch] „Die Buchhandlungen in Bad Kreuznach wissen das und schicken uns ihre Kunden.“ Mit Konkurrenz hat die Christliche Buchhandlung also nicht zu kämpfen. „Die Buchhandlungen, die es hier gibt, wissen, dass wir uns im christlichen Bereich besser auskennen und Ketten gibt es hier nicht – noch nicht vielleicht.“


Die vielgepriesene Weihnachtszeit


„Den meisten Umsatz machen wir, wahrscheinlich wie die meisten Buchhandlungen, im Weihnachtsgeschäft“, erklärt Sigrid Leuschner. [Anmerkung 2] „In der Weihnachtszeit besinnen sich die Leute am ehesten auf Gott und kommen deswegen zu uns.“ Ostern sei ebenfalls stark, ganz im Gegensatz zum Sommer, wo in den Sortimentsbuchhandlungen die Strandlektüre verkauft wird, ist in der Christlichen Buchhandlung eher Flaute. „Das liegt aber bestimmt auch daran, dass wir den Laden drei Wochen schließen. Wir haben fast alle schulpflichtige Kinder und sind auf die Sommerferien angewiesen“, erklärt Sigrid Leuschner. Inzwischen seien die Kinder älter und die Lage entspanne sich. „Deswegen wollen wir dieses Jahr mal weniger zu lassen, vielleicht nur zwei Wochen oder immer halbtags öffnen.“

Was war hier im Laden Ihr schönstes Erlebnis?

Ist die Arbeit mit christlichen Büchern anders als die mit einem allgemeinen Sortiment?

Wieso arbeiten Sie in dieser Buchhandlung?

Wie sieht die Zukunft des Buchmarktes und damit auch dieses Ladens aus?

Die Zukunft der Buchhandlung


„Das Internet ist eine tolle Sache, wenn die Leute genau wissen, was sie wollen“, sagt Frau Leuschner. „Vor allem für die jungen Leute ist es gerade bei Büchern attraktiv, weil die überall gleich aussehen und gleich viel kosten und mit der Identifikationsnummer – der ISBN – eindeutig zuzuordnen sind.“ [Vergleiche Anmerkung 2: Landkarten] Das mache das Internet zu einer großen Konkurrenz. „Auch die Verlage machen es den Buchhandlungen immer schwerer: Die konzentrieren sich jetzt viel auf den Direktversand, sodass wir nicht mehr zwischengestaltet sind bei Verlag und Kunde“, erklärt Sigrid Leuschner. „Gerade deswegen macht uns unsere große Non-Book-Auswahl so stark.“ Der Vorteil sei, dass hier nicht alles gleich aussehe und gleich viel koste. „Hier will man eher mal anfassen, anschauen und in der Hand halten.“ Trotz dieser Stärke hatte die Buchhandlung während der Finanzkrise zu kämpfen. Davon habe sie sich aber inzwischen wieder erholt. „Jetzt stagniert der Umsatz gerade, obwohl ich im Börsenblatt gelesen habe, dass religiöse Bücher wegen der Debatte um Sarrazin oder die Missbrauchsskandale angeblich besonders gut laufen sollen. [Anmerkung 3] Davon merken wir nichts.“ Sie schüttelt den Kopf. „Es wird auch in Zukunft mal bergauf, mal bergab gehen. Wie bisher auch, setzen wir auf unseren Idealismus und schauen was kommt. Was haben wir schon zu verlieren?“

[Anmerkung 1]


Das Thema Non-Books beschäftigte den Großhändler KNV schon im letzten Jahr. Die September-Ausgabe ihres Magazins „aktuell“ hatte sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema auseinandergesetzt. Hier zwei Zitate:


Seite 8: „Wichtig ist, [...] [den Non-Book-Bereich] nicht wie schmückendes Beiwerk zu behandeln. Vielmehr müssen dieselben Ansprüche wie für Buchabteilungen gelten.“


Seite 12: „Zusatzsortimente spielen in den Verkaufsstrategien eine immer größere Rolle – sie machen das Sortiment lebendiger, den Laden attraktiver.“